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Unser Expertentipp für Sie von Univ. Prof. Dr. Herwig Kollaritsch
Dr. Kollaritsch ist Leiter des Zentrums für Reise- und Tropenmedizin in Wien. Aufgrund seiner täglichen Erfahrung auf dem Gebiet der spezifischen Prophylaxe in der Reise- und Tropenmedizin ist seine Fachmeinung zum Thema Reisethrombose folgende:
„Erst durch die Zunahme von Langstreckenflügen ist man auf ein medizinisches Problem aufmerksam geworden, dem man bisher zu wenig Bedeutung zugemessen hat: Der Entstehung von Blutgerinnseln, also Thrombosen, bei Interkontinentalflügen und langen Reisen. Man nimmt an, dass etwa jeder fünfte plötzliche Todesfall an Bord eines Flugzeuges durch eine Pulmonalembolie ausgelöst wird. Dies ist eine Erkrankung, bei der sich ein Blutgerinnsel, das an einer anderen Stelle im Organismus entstanden ist, losreißt und dann auf seinem Weg durch das Herz in die Lunge gelangt und dort zur Verstopfung eines Gefäßes führt. Es hat die Häufigkeit der so genannten Reisethrombose in den letzten Jahren deutlich zugenommen.“
Univ.Prof. Dr. Herwig Kollaritsch |
Facharzt für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin
Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie
Leiter der Abteilung für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin am Institut für Pathophysiologie der Universität Wien
Autor zahlreicher Bücher und Fachartikel
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| Wir freuen uns, Ihnen hier die Gedanken von Prof. Kollaritsch zu unterschiedlichen reiserelevanten Themen präsentieren zu dürfen.
Herr Prof. Kollaritsch, welche Ursachen sehen Sie für die Entstehung einer Reisethrombose?
„Für die Entstehung einer Reisethrombose gibt es mehrere Ursachen:
Erstens begeben sich von Jahr zu Jahr immer mehr Leute auf Reisen und es zeichnet sich die generelle Tendenz dahingehend ab, dass Urlaube nur mehr für eine kurze Dauer gebucht werden, dass aber trotzdem immer weiter entfernte Reiseziele gebucht werden und als Folge davon ist eine starke Zunahme der Zweit– und Dritturlaube zu verzeichnen mit anderen Worten, jeder einzelne setzt sich mehrmals im Jahr einem potentiellen Thromboserisiko aus.“
Und zum Zweiten?
„Zum Zweiten ist natürlich das Durchschnittsalter der Reisenden auf Langstreckenreisen im Zunehmen begriffen, und es ist bekannt, dass vor allem bei älteren Personen öfters diverse Vorerkrankungen bestehen, die insgesamt ein größeres Risiko für Thrombosen nach sich ziehen.“
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Sind auch die Wahl des Reiseziels und die Bewegung im Fahrzeug mögliche Ursachen?
„Ja, immer häufiger werden tropische und subtropische Reiseziele aufgesucht – der Aufenthalt im heißen Klima an sich stellt schon eine Belastung des venösen Gefäßsystems dar und auch die Bedingungen auf den Flugreisen selbst haben sich verändert: Die Auslastung der Flugzeuge ist stark gestiegen, man hat immer weniger Bewegungsmöglichkeit und auch bei Nachtflügen kaum die Möglichkeit, mehr als einen Sitz für sich zu beanspruchen.“
Wie entstehen nun Risikofaktoren für eine Thrombose?
„In erster Linie ist es der langdauernde Bewegungsmangel, die sitzende Position mit abgewinkelten Knien, ferner eine zumeist langsam während des Fluges entstehende Austrocknung, (Anm.: die Luftfeuchtigkeit an Bord beträgt nur etwa 5 – 10%) und natürlich auch ein genereller Sauerstoffmangel. Dazu kommt noch der Alkoholkonsum auf Flugreisen und die milden hypnotisch wirkenden Substanzen, die heute gerne gegen den "Jet–lag" genommen werden.“
Es ist also nicht ein einzelner Faktor, der das Entstehen einer Thrombose begünstigt, sondern es ist zumeist ein Zusammenspiel mehrerer gleichzeitig einwirkender Faktoren, die das Entstehen eines Blutgerinnsels fördern. Ist jeder Reisende gleich gefährdet?
„Nein, man kann die Reisenden in Gruppen einteilen.
Reisende mit geringem, mäßigem oder hohem Thromboserisiko“
Wer zählt zu den Reisenden mit geringem Risiko?
„An sich schon ein völlig Gesunder. Erhöht wird dieses Risiko durch mehrere Faktoren:
Alter über 40 Jahre, Krampfadern (vor allem tiefe Krampfadern), eine chronische venöse Insuffizienz, Übergewicht und natürlich eine Herzschwäche.
Auch die „Pille“ dürfte bei der Entstehung einer Thrombose eine gewisse Rolle spielen.
Wiederum gilt die Regel, dass nicht der einzelne Faktor der Auslöser für das Entstehen einer Thrombose sein dürfte, sondern dass die Kombination mehrerer Faktoren das Risiko signifikant erhöht. Weitere, eher seltene Erkrankungen, die das Entstehen einer Thrombose begünstigen, wären: Bereits in der Vorgeschichte stattgefundene Thrombosen, Krebsleiden, Blutgerinnungsstörungen und Gipsverbände.“
Welche vorbeugenden Maßnahmen würden Sie nun empfehlen?
„Reisende ohne vorab bestehende Risikofaktoren: reichlich Flüssigkeitszufuhr, aber keinen Alkohol!! Reichlich Bewegung während des Fluges (immer wieder aufstehen während des Fluges und Bewegungs– und Lockerungsübungen machen), nicht rauchen! Keine sedierend wirkenden Mittel einnehmen.
Bestehen bereits vorab Risikofaktoren, so empfehlen sich folgende Maßnahmen: Bei mäßiger Krampfadernbildung (Varizen) sollte zunächst eine mechanische Unterstützung des Gefäßsystems erfolgen und dies mit einer so genannten Stützstrumpfhose.
Personen, für die ein hohes Risiko für das Entstehen einer Thrombose besteht, sollten jedenfalls mit dem Arzt Kontakt aufnehmen und möglicherweise über den Zeitraum der Reise hinweg niedermolekulares Heparin zur Selbstinjektion verwenden.“
Was würden Sie unseren Lesern zum Thema Reisethrombose nun noch raten?
„Eine Reisethrombose kann, vor allem wenn eine Lungenembolie folgt, einen rasch lebensbedrohlichen Zustand bedeuten. Es ist eine sehr ernstzunehmende Erkrankung und jeder Reisende sollte die angeführten Maßnahmen möglichst beachten, damit ihm ein derartiges Schicksal erspart bleibt.“
Herr Prof. Dr. Kollaritsch, wir danken für das Gespräch!
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